Vorderes Kreuzband

Die vordere Kreuzband (VKB) - Ruptur
zählt zu den häufigsten Bandverletzungen. In 65% der Fälle sind Sportunfälle für die Kniebandverletzungen verantwortlich. Die vordere Kreuzbandruptur entsteht durch verschiedenste Mechanismen, wie Hyperextension, Valgus-Rotationsstress oder forcierte Quadrizepsanspannung bei gebeugtem Kniegelenk. Das rupturierte vordere Kreuzband hat schlechte Heilungseigenschaften. In nur wenigen Fällen verbleibt nach einer Ruptur des vorderen Kreuzbandes eine ausreichende Stabilität. Langfristig führt ein instabiles Kniegelenk zum Gelenkverschleiß (Arthrose). Aus diesem Grund ist es sinnvoll, ein gerissenes Kreuzband operativ zu ersetzen. Durch den Verlust der Funktion des vorderen Kreuzbandes ist der zentrale Pfeiler zur Stabilisierung des Kniegelenkes gestört: Unsicherheit, sogenannte Giving-way-Symptome und schmerzhafte Schwellungen können nach diesen Attacken die Folge sein. Besonderes Augenmerk sollte auf die vorderen Kreuzbandrupturen gelegt werden, die zusätzlich Begleitverletzungen haben (zusätzliche Innen- und Außenbandrupturen sowie Meniskus- und Knorpelschädigungen). In diesen Fällen ist es dringend anzuraten das Kniegelenk komplex zu rekonstruieren, um alle Verletzungen, nach Möglichkeit einzeitig, mit zu versorgen. Ältere Patienten, die ein geringeres Aktivitätsniveau haben, haben nur ein sehr geringes Risiko nach einem Kreuzbandriss eine Arthrose zu erleiden. In diesen Fällen sollte konservativ behandelt werden. Unter krankengymnastischer Anleitung sollten Kräftigungs- und Koordinationsübungen durchgeführt werden.

Der Standard zur Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes ist die sogenannte Einbündeltechnik. Dabei wird das gerissene vordere Kreuzband durch ein Bündel eigener Sehnen (vorwiegend Semitendinosussehne) ersetzt und an Schienbein und Oberschenkel jeweils an einen Punkt mit Implantaten befestigt. Anatomisch gesehen besteht das gesunde vordere Kreuzband jedoch aus 2 funktionellen Hauptbündeln, dem sogenannten anteromedialen und dem posterolateralen Bündel. Diese beiden Bündel haben synergistische Funktionen. In den letzten Jahren wurden zahlreiche biomechanische Studien durchgeführt, um das Bewegungsmuster des Kniegelenkes zu erforschen. Dabei wurde die Funktion intakter Kniegelenke mit der Einbündeltechnik und Zweibündeltechnik verglichen. Besonders die Rotationsstabilität konnte durch die Einbündeltechnik im Vergleich zu gesunden Kniegelenken nicht optimal wieder hergestellt werden. Die Zweibündeltechnik ist hinsichtlich vorderer Stabilität und Rotationsstabilität in biomechanischen Studien vorteilhaft.

Seit 2004 wird in unserer Einrichtung als eines der ersten Zentren in Deutschland die Zweibündeltechnik zur Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes angewendet. Anatomisch wird sowohl das anteromediale als auch das posterolaterale Bündel isoliert rekonstruiert. Die Vorteile hinsichtlich der verbesserten Rotationsinstabilität liegen insbesondere im Leistungssport auf der Hand.

Fehlschläge bei vorderen Kreuzbandersatz lassen heute die Folgerung zu, dass gewiss zu viele sogenannte isolierte vordere Kreuzbandrupturen ohne die notwendige Berücksichtigung der Läsionen im Kapselbandbereich durchgeführt worden sind. Gerade die synovialen Überzüge in diesem Bereich und an den Meniskusinsertionen sind reich an sensibeln und propriorezeptiv wichtige Sensoren, die im großen Rahmen der Sensomotorik steuern helfen. Diese Sensoren können aber nur dann gut verwertbare Signale geben, wenn die Stabilität, d.h. die Spannungsverhältnisse stimmen.

Ziel unserer Einrichtung ist es deshalb, nach Möglichkeit alle sogenannten multidirektionalen Instabilitäten (Instabilitäten in 2 oder mehr Ebenen) komplex in einer Sitzung operativ zu versorgen und Meniskusbegleitverletzungen ebenfalls komplex in dem selben Eingriff operativ mit zu versorgen.